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Konzeptionelle Merkmale und Gestaltungselemente inklusiver Schulentwicklung

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Die inklusive Schulentwicklung gestaltet sich als ein umfassender Schulentwicklungsprozess an den Schulen der Primarstufe und der Sekundarstufe. Dieser Prozess entwickelt sich in den Schulen in unterschiedlichen Zeiträumen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Ausrichtungen. Somit können die aufgeführten Konzeptbereiche für jede Schule unterschiedliche Gewichtungen und Überschneidungspunkte haben. Die Handreichung ist im Sinne eines Qualitätstableaus zu verstehen. Auf umfangreichere, differenzierende Qualitätstableaus wird hingewiesen s. Literaturangabe.

 

Entwicklung einer Grundhaltung

  • Die Schule hat ein Leitbild.
  • Die unterschiedlichen Repräsentanten der Schule einschließlich der Schülervertretung sind in die Leitbildentwicklung einbezogen.
  • Im Leitbild der Schule zeigt sich eine positive und wertschätzende Haltung gegenüber der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler.
  • Die in der Schule tätigen Personen schätzen die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler.
  • Die Vielfalt der Schülerinnen und Schüler wird im Unterricht und im Schulalltag sichtbar und genutzt.
  • Es wird Wert auf einen wertschätzenden und respektierenden Umgang miteinander gelegt.

 

Gestaltung des Zusammenlebens

  • Gemeinschaftsbildende Elemente sind Teil des Schulprogramms und werden bewusst gestaltet.
  • Es gibt klasseninterne und klassenübergreifende Rituale und Anlässe zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls.
  • An der Schule gibt es klare Verhaltensregeln, die im Schulalltag konsequent gelebt werden.
  • Alle Schülerinnen und Schüler fühlen sich in den Pausen und Unterrichtszeiten in der Schule sicher. Auf das Wohlergehen der Schülerinnen und Schüler in der Schule wird geachtet.
  • Es gibt Unterrichtsangebote und Konzepte zur Förderung der Selbst- und Sozialkompetenz.
  • Es gibt verbindliche Übergangskonzepte  Kita – Grundschule bzw. Grundschule – Schule in der Sek I.
  • Auf Etikettierungen (z.B. „Förderschüler“ – „Regelschüler“) wird im Sprachgebrauch verzichtet.
  • Gemeinsame Aktivitäten unter Peergroup – Gesichtspunkten sind möglich.

 

Unterricht

  • Die Lehrpläne der allgemeinen Schule sind Grundlage des Unterrichts für alle Schülerinnen und Schüler.
  • Kompetenzorientierung ist die Grundlage des Unterrichts.
  • Der Unterricht ist auf die Heterogenität der Lerngruppe ausgerichtet und findet in der Regel gemeinsam für die gesamte Lerngruppe statt.
  • Das Prinzip der individuellen Förderung gilt für alle Schülerinnen und Schüler. Individuelle Fähigkeiten und Entwicklungsstände werden im Rahmen der inneren Differenzierung berücksichtigt.
  • Individuelle Förder-/Entwicklungspläne für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf verbinden individuelle Förderbedarfe und curriculare Grundlagen.
  • Das Prinzip der inneren Differenzierung (niveaudifferenziertes Lernen am gemeinsamen Lerngegenstand) wird von allen Lehrkräften als vorrangig in der Unterrichtsplanung und –durchführung verstanden und umgesetzt.
  • Lehr- und Lernarrangements, die unterschiedliche Lernwege, Lerntempi und Lernziele zulassen, werden umgesetzt.
  • Konzepte für Unterrichtsangebote zur lebenspraktischen und berufspraktischen Förderung sind entwickelt.
  • Helfersysteme werden für alle Schülerinnen und Schüler entwickelt und genutzt.
  • Das Leistungskonzept berücksichtigt standardbezogene Leistungen und individuelle Lernfortschritte.
  • Erfolgserlebnisse und Lernfortschritte sind für alle Schülerinnen und Schüler möglich.

 

Diagnostik und individuelle Förderplanung

  • Es gibt eine Eingangsdiagnostik für alle Schülerinnen und Schüler.
  • Es gibt ein auf der Eingangsdiagnostik aufbauendes individuelles Bildungskonzept für alle Schülerinnen und Schüler.
  • Individuelle Förder-/Entwicklungspläne für Schülerinnen und Schüler mit besonderem  Unterstützungsbedarf werden in Partizipation mit den Schülerinnen und Schülern sowie deren Erziehungsberechtigten erstellt.
  • Individuelle Förder- und Entwicklungspläne sind innerhalb des Klassenteams kommuniziert und werden als Grundlage für die Unterrichtsplanung genutzt.
  • Selbsteinschätzungsinstrumente  kommen verbindlich zur Anwendung.
  • Eine Feedbackkultur ist etabliert (z.B. durch die Einrichtung eines Klassenrates in allen Klassen).
  • Die Förderpläne und Lernvereinbarungen werden mindestens halbjährlich überprüft.

 

Teamarbeit

  • Alle Lehrkräfte der Schule stehen den Grundprinzipien des gemeinsamen Lernens in heterogenen Lerngruppen offen gegenüber.
  • Die Kooperation der Lehrkräfte mit unterschiedlichen Professionen ist  transparent und verbindlich geregelt.
  • Es gibt Vereinbarungen zur Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung.
  • Die Lehrkräfte mit unterschiedlichen Professionen arbeiten in gleichberechtigten Klassenlehrer- und Fachteams zusammen.
  • Die Lehrkräfte sind mit unterschiedlichen Formen des Teamteachings  vertraut.
  • Auch zurzeit noch abgeordnete sonderpädagogische Lehrkräfte verstehen sich dauerhaft zugehörig zum Kollegium der allgemeinen Schule.
  • Bei der Einstellung der sonderpädagogischen Lehrkräfte wird deren Ausbildung in verschiedenen Förderschwerpunkten berücksichtigt.
  • Die Stundenverteilung berücksichtigt neben pädagogischen Aspekten auch die studierten Fächer der sonderpädagogischen Lehrkräfte, so dass die fachliche Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ stattfindet.
  • Es findet eine Zusammenarbeit mit anderen Professionen (Erzieher/ -innen und Sozialpädagogen /-innen, Schulpsychologen /-innen, Integrationsassistenz …) statt.
  • Die Multiprofessionalität führt langfristig zu einem Kompetenztransfer im Team.

 

Organisationsentwicklung

  • Die Schulleitung steuert und  unterstützt den Prozess inklusiver Schulentwicklung. In größeren Schulen ist aus der Schulleitung ein fester Ansprechpartner für den Prozess bestimmt.
  • Die Klassenzusammensetzung erfolgt nach dem Prinzip der Heterogenität.
  • Grundsätzlich sind alle sonderpädagogischen Förderschwerpunkte im Aufnahmeverfahren berücksichtigt.
  • Die Klassenleitungen sind durch die Schulleitung an der Klassenbildung beteiligt.
  • Bei Schülerinnen und Schülern  mit besonderem Unterstützungsbedarf kann  unter Ressourcen-  und Peergroupgesichtspunkten eine Bündelung in einer Klasse stattfinden.
  • Bei der Klassenbildung (Klassenstärke und Zusammensetzung) einer Klasse, in der Gemeinsames Lernen stattfindet, wird der besondere pädagogische Auftrag berücksichtigt.
  • In den Klassen unterrichtet in größeren Systemen eine überschaubare Anzahl von Lehrkräften, so dass eine positive Beziehungspflege zwischen Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften möglich ist. Dieser Aspekt ist mit den fachlichen Notwendigkeiten sorgfältig abzuwägen.
  • Teamkontinuität ist umgesetzt.
  • Teamstunden für eine gemeinsame Unterrichtsvor- und - nachbereitung sowie den Austausch über die Schülerinnen und Schüler sind verbindlich eingeplant.
  • Doppelbesetzungen werden nach den pädagogischen und fachlichen Notwendigkeiten installiert.
  • Es gibt ein Vertretungskonzept. Doppelbesetzungen werden nur in Ausnahmefällen und nach Absprache mit den betroffenen Lehrkräften als Vertretungsreserve genutzt.
  • Die Rhythmisierung des Schulalltags sichert personelle und räumliche Kontinuität (z.B.  Doppelstundenmodell/60-Minuten-Takt).
  • Eine Fachkonferenz „Gemeinsames Lernen“ ist eingerichtet.
  • Durch die Zusammenarbeit mit den Förderschulen besteht ein Netzwerk zur Sicherung und Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Qualität.
  • Fortbildungen zur Unterrichtsentwicklung, Teamentwicklung, Diagnostik und Förderplanung werden verbindlich mit dem gesamten Kollegium durchgeführt.

 

Hier finden Sie Konzeptionelle Merkmale und Gestaltungselemente (pdf-Datei) als Druckversion.

 

Literatur:

Tony Booth, Mel Ainscow: Index für Inklusion übersetzt von Ines Boban, Andreas Hinz, Halle 2003

Fachhochschule Nordwestschweiz: Bewertungsraster zu den schulischen Integrationsprozessen an der Aargauer und Solothurner Volksschule, Aargau,Solothurn 2012

 

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